Der Monotheismus in
Christentum und Judentum

 

 

 

Während sich so die christliche Heilslehre als Übernahme vorchristlicher Mythen erweist bleibt auch von der jüdisch geprägten alttestamentarischen Überlieferung immer weniger übrig, das als originär jüdisch bezeichnet werden kann. Schon länger bekannt ist, daß die Sintflut-Geschichte Noahs sehr viel früher und in sehr ähnlicher Form im sumerischen Gilgamesch-Epos erscheint. Und auch die 10 Gebote, die Moses übergeben worden seien, finden sich fast wortwörtlich im älteren ägyptischen Totenbuch 1,2.

 

Die biblische Geschichte der Erschaffung des Menschen erinnert wieder an die sumerische Überlieferung, die jedoch mehr Details enthält und statt von einem von mehreren Göttern berichtet. Der in Abgrenzung zur sumerischen Überlieferung erscheinende Monotheismus der Judäer ist indes dennoch nicht neu, denn Pharao Echnaton verordnete um 1600 v.d.Z. seinen Untertanen einen Ein-Gott-Glauben an Aton, der jedoch wiederum nur eine Spätform des Ra-Osiris-Horus darstellte. Osiris war wiederum eigentlich ein monotheistischer Gott in der Dreiheit mit Sohn Horus und Gemahlin Isis. Doch gibt es Hinweise, daß selbst der in das Ende des 4. Jahrtausends zurückreichende Osiris nicht der Beginn des Monotheismus war, sondern lediglich eine Ableitung des älteren monotheistischen Megalithglaubens, der bis ins 5. Jahrtausend zurückreicht. Hier findet sich erstmals nachweisbar der Glaube an die Seelenwanderung des Menschen, was sich anhand von „Seelenlöchern“ in megalithischen Gräbern nachweisen läßt. Vieles spricht dafür, daß innerhalb der megalithischen Religion auch der Glaube an die Neugeburt des Lebens nach dem Tod, analog zur „Wiedergeburt“ der Sonne, mit Hilfe des Lichtbringergottes, des Gottessohns, verankert war und sich mit Ausdehnung der Kultur aus einer nördlichen Heimat über die Welt verbreitete.
Weltweit beruhen die traditionellen Glaubensrichtungen auf der Geschichte „vom Sohn eines himmlischen Königs, der sich in die dunkle untere Welt hinab begibt, leidet, stirbt und wieder aufersteht, bevor er in seine ursprüngliche Welt zurückkehrt.“1

 

So gibt es weltweit mehr als 50 solcher Adaptionen, darunter die Mythen der Göttergestalten Osiris, Horus, Krischna, Bacchus, Orpheus, Hermes, Baldur, Adonis, Herkules, Attis, Mithras, Tammuz (Syrien) und Beddru (Japan).2


Bei genauerer Betrachtung sind die polytheistischen Züge der heidnischen Religionen auch eher der Schutzheiligenverehrung der christlichen Kirche vergleichbar und der Glaube an ein höchstes Wesen – ob Natur oder Gott benannt – könnte sich als der originäre Glauben der Menschheit erweisen; wie Tom Harpur, einst überzeugter christlicher Theologe, es ausdrückt: „Fast ist es so, als hätte es vor unerdenklich langer Zeit eine Art kosmischer Religion gegeben, die im Laufe von Äonen allmählich verfiel.“3

 

 

 

1Zitiert nach Harpur, S.55
2 ebenda
3 Harpur, S. 38