Gemeinsame Ursprünge


 

Die gemeinsamen Wurzeln von Judentum, Christentum und Islam

 

"Juden, Christen und Muslime leben nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Europa und in der Neuen Welt in direkter Nachbarschaft. Sie haben ein gemeinsames kulturelles Erbe, verehren - wenn sie es denn tun - den gleichen Gott und verstehen einander doch nicht. Drei Religionen eines Ursprungs, die permanent Krieg gegeneinander führen", so Prof. Dr. Reinhard G. Kratz von der Göttinger Theologischen Fakultät.

 

Das Christentum zählt heute zu den drei größten Religionsgemeinschaften der Welt. Seine Ursprünge liegen jedoch nicht, wie von vielen Theologen noch heute verbreitet, primär im Judentum, sondern in heidnischen Religionskulten, aus denen sich auch die mosaische Glaubensgruppe eifrig bediente. Die bekanntesten und offensichtlichsten Adaptionen aus heidnischem Brauch finden sich bereits in den christlichen Festen.

 

Die Wurzeln der christlichen Feste
Das Fest Weihnachten, das christliche Gedenken an die Geburt von Jesus verweist schon vom Begriff her auf die mittelhochdeutschen wihen nahten, die geweihten Nächte der germanischen Wintersonnwendfeier. Diese dauerten wie alle „heidnischen“ Feste mehrere Tage und hatten ihren Höhepunkt am Tag der Sonnenwende zwischen dem 21. und 25. Dezember. Der 25. Dezember, der Tag an dem die Sonne erstmals wieder sichtbar aufsteigt, als eigentlicher Weihnachtstag, stammt dabei ebenfalls aus heidnischem Kultus, und hielt sich bis er in Rom im Jahre 274 durch Kaiser Aurelian offiziell als „Sol Invictus“ Feiertag eingeführt wurde, der eine Spätform des indogermanischen Sonnenkultes darstellte und sich von der indoarischen Mithras-Verehrung herleitete. Vom 24. auf den 25. Dezember versammelten sich dabei die Anhänger des Kultes in unterirdischen Anlagen um gegen Mitternacht die Einweihungsriten zu vollziehen. Die unter der liturgischen Formel: „Die Jungfrau hat geboren, zu nimmt das Licht“ oder auch „Der große König, der Wohltäter Osiris ist geboren“, was stark an den Engelsspruch im Evangelium des Lukas erinnert: „Heute ist euch der Heiland geboren.“

 

Um 381 wird Weihnachten durch Konzilsbeschluß am 25. Dezember gefeiert, die Mainzer Synode von 813 machte Weihnachten zum allgemeinen kirchlichen viertätigen Fest in Deutschland. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Meinung des Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgs, Thomas Gandow, die im Weltnetz kolportiert wird2, nach der das Weihnachtsfest bereits seit dem Jahr 200 in Deutschland an diesem Datum gefeiert wird und Aurelian umgekehrt den Sol Invictus auf diesen Tag legte, um das Christentum zu unterhöhlen wie angeblich auch 940 Hakon der Gute in Schweden. Ursprünglich sei das Julfest demnach Mitte bis Ende Januar gefeiert worden. So unhaltbar diese Aussage, so bemerkenswert ist dieser hilflose Versuch, das Christentum als originäre Religion vom Verdacht des Plagiates reinzuwaschen – schließlich werden sämtliche diesbezüglichen Vorwürfe als Märchen und „Germanensyndrom“ bezeichnet und in die Nähe vorgeblicher nationalsozialistischer Bestrebungen gerückt – wenn nichts mehr hilft ...

 

Unübersehbar finden sich die Attribute des Weihnachtsfestes, der Tannenbaum ebenso wie die Lichter und Geschenke, allesamt wieder in der germanischen Feier des Julfestes – benannt nach dem Rad als Symbol des Jahreslaufes. So ist es völlig absurd zu behaupten, der Weihnachtsbaum wäre „erst im 17. und 18. Jahrhundert aus evangelischen pädagogischen Bemühungen entstanden, so wie später Adventskranz und Adventskalender.“ Heute wisse man, „daß der geschmückte Weihnachtsbaum ein Requisit nachreformatorischer Weihnachts- und Verkündigungsspiele (sei)“ so Pfarrer Gandow bar jeglicher Überlieferung.3 In Wirklichkeit symbolisierten die als „Wintermaien“ bezeichneten Zweige von Tannen schon in weit vorchristlicher Zeit Fruchtbarkeit, die Lichter den Sieg über die lange Dunkelheit im Norden Europas und die Geschenke die Opfergaben an die Natur. Eine wichtige Rolle als Baumschmuck spielte dabei der Apfel als klassische nordeuropäische Frucht, die bis in den Winter hinein haltbar war (Vergleiche dazu auch die Bedeutung des Apfels in den indogermanischen Mythen von „Avalon“, „Atlantis“ und die biblische Verteufelung als Frucht der Sünde!). Dabei verliefen die Feste noch zu Beginn der Christianisierung „laut und lustig“ statt „still und heilig“ – eine Tradition die sich heute nur noch im Karnevalsfest findet und ursprünglich zur Vertreibung der Winterdämonen beitragen sollte.


Der vor allem in den USA und zunehmend auch in Europa populäre Weihnachtsmann war dabei niemand anderes als Wodan/Odin, der christlich durch den heiligen Nikolaus ersetzt wurde – doch die Rute, die christlich als Strafe angesehen wird, diente ursprünglich als Instrument zum Herbeiklopfen der Fruchtbarkeit, zum Anregen des Naturkreislaufes.
Ebenso war das Osterfest bereits dem Namen nach heidnisch: Ostara war der Name einer (heute in der Forschung umstrittenen) Frühjahrsgottheit, die in Zusammenhang mit dem Frühjahrsfest der Tag- und Nachtgleiche stand. Wie beim Weihnachtsbaum vermochte auch hier die Kirche nicht die früheren Fruchtbarkeitssymbole wie den Hasen und das Ei zu vertreiben.

 

Als heidnische Reminiszenz innerhalb kirchlicher Baukunst ist das „Dreihasenfenster“ aus dem 16. Jahrhundert am Dom in Paderborn zu nennen, das drei Hasen in Form eines Wirbels oder Triskele angeordnet zeigt und damit nicht nur auf den Hasen als Tier der Fruchtbarkeit, sondern symbolisch auch auf das Sonnenrad und den Sonnenlauf verweist.

 

Das im August begangene „Maria Himmelfahrt“ ersetzte den älteren heidnischen Erntedank, der eng verbunden mit der Mutter Erde, als Symbol des fruchtbaren Bodens, der Gebärerin der Frucht war, worauf die Silbe „Ma“ des Name „Maria“ übrigens selbst noch zurückzuführen ist. Als Gemahlin der Himmelsgottheit ist auch die Vorstellung der Himmelfahrt heidnisch belegt.
Der christliche heilige „Buß- und Bettag“ im November sollte dagegen die traditionelle Ahnenverehrung und die Vorstellung des Besuchs der toten Verwandten auf Erden („Trollnächte“) verdrängen, denen Speis und Trank geboten wurde, bis laut lärmend die Gefahr des Zurückbleibens einer Totenseele gebannt war – eine Tradition die noch gut im keltischen Samhain, dem amerikanischen Halloween, erhalten blieb. Statt einer lärmenden Feier sollte nach christlicher Auffassung Buße für die eigenen und der toten Verwandten Sünden getan werden.