Jesus historisch

 

Zwangsläufig stellt sich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit eines „historischen Jesus“.


Dass ein Prediger mit Namen Jesus vor 2000 Jahren in Galiläa und Judäa wirkte, ist angesichts der Häufigkeit des Namens und der Zahl der so wirkenden nicht unwahrscheinlich, obgleich nur drei antike Autoren ihn mit wenigen Worten erwähnen: Plinius der Jüngere, Sueton und Tacitus. Die Überlieferung des Josephus ist umstritten bezüglich ihrer Authentizität 1. Was jedoch mythische Ausschmückung, was real ist, entzieht sich weitest- gehend heutiger Kenntnis, auch wenn kürzlich ein israelisches Team um den bekannten Hollywood-Regisseur Stanley Kubrick in Jerusalem das Familiengrab der Jesus- Verwandtschaft mitsamt den Sarkophagen von Jesus, Maria, Josef und gar Maria Magda- lena entdeckt haben will. Während die Fachwelt die bereits 11 Jahre zuvor entdeckte und ohne Aufsehen dokumentierte Grabanlage für eine typische jüdische Familiengruft hält, ist man fast geneigt in der neuen Sensationsmeldung einen jüdischen Seitenhieb gegen die christliche Lehre der Auferstehung Jesu zu vermuten, indem ein tatsächliches Jesus- Grab vorgeführt wird, das bei einer Auferstehung nicht erforderlich gewesen wäre.


Doch für wie real man die Überlieferung des Lebens Jesu auch nehmen will, ist eine Über- lieferungslücke für die Kindes- und Jugendjahre des späteren Heilslehrers evident.


Nach Jesu Geburt, die heute für das Jahr 4 v.d.Z. angenommen wird, gibt es nur eine Überlieferung zum jugendlichen Jesus, als er als 12-jähriger Gelehrter in einem Tempel lehrte. Erst im Lebensalter von ungefähr 32 Jahren setzt die Überlieferung wieder ein.


Andere Schriften berichten jedoch, daß Jesus als 14-jähriger mit einer Karawane aus Pa- lästina nach Indien gelangte und dort vom Buddhismus geprägt worden sei. Hier soll er gegen die Verehrung zahlreicher und sichtbarer Götter – auch gegen die Verehrung der Sonne -, gegen den Ausschluß der Armen von Predigten und gegen die Macht der Priester gepredigt haben: „Solange die Völker keine Priester hatten, hat das natürliche Gesetz sie regiert und die Reinheit ihrer Seelen bewahrt.“11 Nach seinem „Scheintod“ am Kreuz, sei Jesus mit Hilfe indischer Freunde nach Indien geflohen, wo er eine Familie gründete und als 105-Jähriger starb. Tatsächlich existiere noch heute ein Grab in Srinagar (Kaschmir), das als Grabstätte Jesu Verehrung findet und mit einem steinernen Fußabdruck ge- schmückt sei, der Wundmale einer Kreuzigung aufweist. Allerdings verliefen jüngere Ver- suche, das Jesus-Grab ausfindig zu machen ebenso ergebnislos wie die Suche nach Handschriften Jesu, die der Russe Nikolaus Notowitsch in einem buddhistischen Kloster in Kaschmir übersetzt haben will.2


So erscheint die Vermutung nicht abwegig, daß das angebliche Grab Jesu in Indien iden- tisch mit dem Krischnas ist und die Erzählung von der Flucht Jesu nach Indien auf die mythologische Vorlage der christlichen Jesus-Geschichte aus dem Indischen zurück zu führen ist – ketzerisch betrachtet, daß Jesus selbst durchaus im Jahr „0“ geboren ist, nämlich „niemals und nimmer“, wie es Gorsleben ausdrückte.3

 


1 Vgl. Notowitsch, zit. nach Marco Frenschkowski: Mysterien des Urchristentums. Wiesbaden 2007 (Marix), S.187
2 Vgl. Frenschkowski, Mysterien des Urchristentums. S.176ff. und S.205ff. Hier der Verweis auf das Grab eines griechischen Joasaoh, Held eines antiken Romans.

3 Vgl. Rudolf John Gorsleben: Hochzeit der Menschheit. S.246